Tradition im Wadrilltal
Immaterielles Kulturerbe – Erbsenradlauf begeistert Wadrill trotz schlechten Wetters
Wadrilltal · Trotz Regen und Wind drehte sich das Erbsenrad in Wadrill auch in diesem Jahr. Die Tradition wurde vom saarländischen Kulturministerium als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Von Erich Brücker
Die Zeremonie des Erbsenradlaufes hatte auch in diesem Jahr bei der Bevölkerung ihren Reiz. Es war eine besondere Atmosphäre – wenn gleich der Wettergott mit viel Regen und Wind für weniger Schaulustige als üblich gesorgt hatte. Doch die Pflege dieses Brauchtums war wenige Wochen zuvor aufgrund des historischen Hintergrundes und der alljährlichen Ausübung des Rituals vom saarländischen Kulturministerium auf Antrag der Vereine Geschichtswerkstatt Wadrilltal und der Heimat- und Naturfreunde Wadrill als Ausrichter in die Liste der Immateriellen Kulturerbe aufgenommen worden. „So wie der Lauf des Erbsenrades überliefert wurde, wird er auch alljährlich vollzogen“, sagt die Vorsitzende Heidi Fandel.
Den Brauch führt ihr Heimatverein schon fünf Jahrzehnte durch. Damit die Jugend des Dorfes mit dessen Pflege auch hautnah in Kontakt kommt, war sie am Vortag des ersten Fastensonntags eingeladen, sich auf dem vereinseigenen Freizeitgelände der Harteichhütte mit dem Wickeln von Rad, Kreuz und Kerzen vertraut zu machen.

Neben der Vereinsvorsitzenden freute sich auch Ortsvorsteher Alexander Marmitt, dass etliche Kinder dieser Einladung gefolgt waren und engagiert mitgeholfen haben. „Wir durften ein bisschen mithelfen, Strohballen anschleppen, bei den Kerzen und dem Kreuz Löcher mit Stroh zustopfen, aber die schwere Arbeit, das Wickeln der Ballen auf das Eisenrad haben die Männer erledigt, schließlich muss das Rad fest gewickelt werden, damit es auch den Weg brennend bis in die Wadrill schafft“, fasste Janosch (zwölf) seine ersten Eindrücke zusammen.
Zusätzlich hatte die Geschichtswerkstatt einen kleinen Malwettbewerb initiiert, bei dem die Kinder ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten. Die drei schönsten Bilder, die Theo, Ilay und Felix gemalt hatten, wurden mit einem Gutschein von der Bücherhütte Wadern prämiert. Natürlich durften sich auch alle andere Jungen und Mädchen über Trostpreise freuen. Es ist uns schon ein großes Anliegen, so Heidi Fandel und Alexander Marmitt unisono, die Kinder aktiv einzubinden, damit unsere Traditionen auch in Zukunft lebendig bleiben und von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Nur wenn die Jüngeren die Bräuche kennenlernen und selbst mitgestalten, können sie langfristig erhalten bleiben. Genau das gebe ihnen die Zuversicht, dass sich das Erbsenrad noch viele Jahre drehen wird und ein fester Bestandteil des Dorflebens bleibt. „Außerdem ist es immer wieder schön, wenn junge und alte Leute zusammenkommen, die sonst eigentlich wenig verbindet. Solche Momente schweißen eine Dorfgemeinschaft zusammen und zeigen, wie wichtig der Zusammenhalt und die Gemeinschaft sind“, ergänzte der Ortsvorsteher.
Nach getaner Arbeit konnte man bei Gesprächen in guter Stimmung spüren, wie diese Tradition die Menschen verbindet, besonders als der eine oder andere Erbsenrad-Wickler beim gemeinsamen und abschließenden Wiener-Essen am Samstag noch einige Geschichten von früher erzählte. Das Dankeschön des Ortsvorstehers, nach dem das Ritual mit dem traditionellen Eieressen beendet wurde, galt daher nicht nur den Kindern, sondern auch allen Helferinnen und Helfern im Hintergrund, die mit der Organisation, der Vorbereitung und Unterstützung zum erfolgreichen Gelingen des Brauchtums beigetragen haben. „Ohne diesen ehrenamtlichen Einsatz einzelner Personen, oft über viele Jahre hinweg, wäre es nicht möglich, das Erbsenrad am Leben zu halten. Gemeinsam blicken wir voller Freude und Zuversicht in die Zukunft“, sagte Marmitt.

